Goethe und Schiller
Im Juli 1787 (also während Goethes Aufenthalt in Italien) war Friedrich Schiller nach Weimar gekommen, zwei Jahre später hatte er - auf Empfehlung Goethes hin - eine Professur an der Universität Jena erhalten. Goethe hatte seine Sturm und Drang-Phase längst hinter sich gelassen, der Idealismus des Weltverbesserers Schiller widersprach seinem eigenen Geschichtsverständnis. So kam es erst 1794 - auf Initiative Schillers - zu einer Annäherung: Schiller bot sich als Führer an, Goethe akzeptierte. Denn er wusste gut, wie sehr er dazu neigte, sich nur spielerisch treiben zu lassen. Damit war das vielzitierte Vierergespann (Goethe & Schiller & Herder & Wieland) vollständig. Während das Heilige Römische Reich Deutscher Nation endgültig in die Brüche ging (Fürstenkongress zu Rastatt 1797), träumten die Beiden von einem Reich der Dichter und Denker. Schiller schrieb seine bedeutendsten Dramen, Goethe vollendete 1795 „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, einen phantastischen Bilderbogen, in den ein Bildungsroman eingebunden ist. Ebenso dunkel und vieldeutig (und damit bereits Teil der deutschen Romantik) ist „Das Märchen“, das in dieser Zeit entstand. Gleichzeitig aber produzierte er gemeinsam mit Schiller die „Xenien“, eine raffinierte Publikums- und Kollegenbeschimpfung in kurzen Versen. Die gemeinsam herausgegebene Zeitschrift „Die Horen“ wurde ein Misserfolg. In diese Zeit fiel auch der fruchtbare Gedankenaustausch mit Johann Gottlieb Fichte und den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt; auch sie waren in Jena tätig. Für einige Jahre war das kleine Herzogtum das geistige Zentrum Deutschlands. In Jena begann auch der Goethe-Kult, bei dem sich zunächst Caroline Schlegel hervortat.

